Wer fühlt sich angesprochen als Gläubiger oder wer wird in unserer Gesellschaft als Gläubiger wahrgenommen? Allgemein meint man wohl diejenigen, welche an etwas Übersinnliches glauben, an eine höher Macht oder an höhere Weisheiten. Doch lässt sich der Gläubige so verkürzt darstellen? Besteht nicht die ganze Welt aus Gläubigen mit irgendwelchen teils recht absurden Überzeugungen? Ist der eingefleischte Kapitalist mit seinem Glauben an die Macht des Geldes nicht genauso ein fanatischer Gläubiger, wie der fundamentalistische Jude, Muslim oder Christ? Oder muss man im Atheisten mit seiner sturen und konsequenten Verleugnung der Existenz eines Gottes nicht ebenso einen radikalen Gläubigen sehen, wie in jenen, welche unbedingt und vielleicht auch gegen jede Vernunft an ein höheres Wesen glauben wollen? Sind wir Gläubige am Ende vielleicht allesamt nur grosse Narren mit der Tendenz zur gestörten Wahrnehmung und geistigen Umnachtung? Wenn man sich alle Ideologien und Religionen auf dieser unserer Welt so anschaut, so müsste man sich doch fast eines schönen Tages einmal fragen, was ist nun wirklich Wahrheit und was ist absurde Illusion? Der Vernunftbegabte wird sich die Frage stellen müssen, ob es letztlich nur eine felsenfeste Wahrheit oder ob es beliebig viele alternative Realitäten geben kann? Und wenn er zur Überzeugung gelangen sollte, dass widersprüchliche, alternative Realitäten nicht nebeneinander existieren können und es daher letztlich in jeder Hinsicht nur eine einzige Wahrheit geben muss, so müsste er sich doch letztendlich auf die Suche nach dieser einen Wahrheit begeben. Wollen wir nun nicht zu der sehr grossen Schar der verirrten und verwirrten Gläubigen gehören, so wäre es angebracht, sich eine Strategie zurecht zu legen mit Hilfe derer man diese eine einzige Wahrheit finden würde.
Bild: Das weite Land der Gläubigen (3d Modell Tora: Santiago Shang)
Wie könnte diese Strategie aussehen? Eins scheint dem weisen Betrachter klar zu sein, wenn er den Menschen in seiner Kleinheit im Vergleich mit dem ganzen Universum betrachtet: Der Mensch ist ein Nichtwisser oder Minimalwisser mit äusserst beschränktem Erfahrungs- und Wissenshorizont und daher kann er selbst niemals dazu taugen, ganz ohne fremde Hilfe die Wahrheit zu finden. Zur Wahrheitsfindung müsste eine höhere Macht her, es kann auch gerne eine sein, an welche er noch gar nicht glaubt oder die er gar für sicherlich Inexistent hält. Sein Nichtwissen befähigt den Menschen ja ohnehin nicht dazu, zu ergründen, ob nun eine höhere Macht existiert oder nicht und daher muss er deren mögliche Existenz zumindest in seine sehr bescheidenen Überlegung miteinfliessen lassen. Um es kurz zu machen, dem aufrichtigen Wahrheitssucher sei folgendes Gebet wärmstens anbefohlen:
„Oh, Du allmächtig Waltender, Du Schöpfer des Universums, falls es Dich denn überhaupt geben sollte, ich bitte Dich, führe mich in alle Wahrheit, was es mich auch kosten mag.“
Ganz bewusst formuliert der Wahrheitssucher dieses Gebet so allgemein wie möglich, denn falls es diesen allmächtig Waltenden, diesen Schöpfer geben sollte, weiss er ja noch nicht in welchem Buch oder in welcher Religion dieser allenfalls einigermassen adäquat wiedergegeben wurde. Der Wahrheitssucher ist sich selbstverständlich bewusst, diese Suche wird in hochwahrscheinlich einiges kosten, denn fast sicher wird er liebgewonnene Ansichten über Bord werfen und allenfalls sogar sein Leben umkrempeln müssen, weil seine Lebensführung nicht mehr zu den neu gewonnen Wahrheiten passt. Der Beter des eben vorgeschlagenen Gebetes muss sich auch fragen, ob ihn die Wahrheit überhaupt interessiert? Dies mag sich nun reichlich verquer anhören, dürfte jetzt der interessierte Leser sagen, denn warum sollte einer dieses Gebet sprechen, wenn ihn die Wahrheit doch gar nicht interessiert? Na ja, ganz einfach, weil er wohl hofft er würde als Wahrheit das entdecken, was ihm schon immer in den Kram gepasst hat und die bösen Überraschungen täten ausbleiben. Oder seine Frage nach der Wahrheit ist bewusst oder unbewusst nur von rhetorischer Natur, so wie es einst wohl bei Pilatus war bei dessen Verhör des Christus: „Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du also ein König? Jesus antwortete: Du sagst es; ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich der Wahrheit Zeugnis gebe; jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme. Pilatus spricht zu ihm: Was ist Wahrheit? Und nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden und sprach zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm (Johannes 18.37-38)!“ Der weiter Verlauf jener Geschichte damals dürfte ziemlich klar bezeugen, dass Pilatus sich wenig machte aus Wahrheiten, denn er verurteilte einen nach seiner eigenen Überzeugung Unschuldigen zum Tode. Nicht besonders hoch schätzte auch der Prophet Jeremia die Lust des Menschen auf die Wahrheit ein und zweifelte entsprechend an der Aufrichtigkeit des menschlichen Herzens: „Überaus trügerisch ist das Herz und bösartig; wer kann es ergründen (Jeremia 17.9)?“ Und diese durchaus richtige Einschätzung der menschlichen Natur darf gerne als Erklärung dafür dienen, dass Gläubige nicht selten gar nicht nach der Wahrheit suchen, sondern sich ihre eigene Interpretation zurechtlegen und allenfalls sogar der Wahrheitssucher sich selbst betrügt und nur pro forma, dem Schein nach also, nach der Wahrheit sucht. Und hiermit wären wir vielleicht beim grössten aller Problem in Bezug auf den Glauben angelangt, der Frage nämlich, ob überhaupt einer auf dieser Erde ernsthaft nach der Wahrheit sucht oder ob so ziemlich alle sich nur ihr eigenes Märchen zusammenstricken?
Was also ist der Glaube unter den Gläubigen wert, egal was man denn auch glaubt oder glauben will, wenn im schlimmsten Falle gar keiner je ernsthaft nach der Wahrheit gesucht hat oder suchen wird? Man erkläre sich doch einmal die Existenz aller sich durchaus erheblich oder gar fundamental widersprechenden Ideologien oder Religionen auf dieser Erde. Wird man bei diesem Erklärungsversuch nicht zwangsläufig am Punkt ankommen, wo man sagen muss, womöglich sind alle Gläubigen nur geistig Verwirrte, welche ihren Egoismen dienend sich ihre eigene Religion oder Ideologie zusammengebastelt haben? Wenn man dazu auch noch berücksichtigt, dass selbst innerhalb einer bestimmten Religion unzählige Abarten eines Glaubenverständnisses wuchern, so dürfte sich eigentlich recht klar herausschälen, dass der Mensch an absoluter Wahrheit nicht besonders interessiert ist.
Man kann hierbei durchaus als Beispiel den christlichen Glauben anschauen oder besser gesagt, was die Protagonisten dieser Glaubensrichtung daraus gemacht haben. Eben erwähnt haben wir den Anspruch Christi auf die Wahrheit, ob man nun an diesen glauben will oder nicht (das eben formulierte Gebet könnte diesbezüglich allenfalls weiterhelfen), bei seinem eher unfreiwilligen Auftritt vor Pilatus und vertiefen könne wir diesen mit seinen Aussprüchen: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich (Johannes 14.6). Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen (Johannes 8.31-32)!“ Nun, wollen wir der Wahrheit in der Christenheit mal den Puls fühlen? Es gibt hunderte christliche Kirchen oder christliche Glaubensausprägungen und vielleicht sind es sogar tausende, wenn man jede noch so kleine Splittergruppe berücksichtigt. Das allein wäre noch gar keine Tragödie, zumindest nicht, wenn es bei diesen Prägungen nur um unterschiedliche, besonders geliebte Schwerpunkte der Wahrheiten Christi ginge und diese Kirchen sich nicht gegenseitig fundamental widersprechen täten oder sich teils als alleinseligmachend einstufen würden. Doch genau dies tun sie durchaus des Öfteren. Man muss leider sagen, dass man in den verschiedenen christlichen Kirchen zu jeder auch nur erdenklichen Sachfrage ein halbes Dutzend oder auch mehr alternative, sich widersprechende Antworten erhält und dies bei einer Glaubensrichtung, welche ja eigentlich die Wahrheit gepachtet haben sollte. Folgendes hat Jesus nebst seinen Ansagen zur Wahrheit den Christen vor seiner Kreuzigung noch versprochen: „Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, so wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen (Johannes 16.13).“ Und weiter hat Jesus seinen Vater um folgendes gebeten: „Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden, auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast (Johannes 17.20-21).“
Und was genau wurde aus dem verheissenen Geist der Wahrheit, dem Heiligen Geist und dessen versprochenen Wirkung? Und was wurde aus Christi Wunsch bezüglich der Einheit der Christen, der Kirche? Kann eine Christenheit, welche aufgrund ihrer Widersprüche an kollektiver Unglaubwürdigkeit leidet vom Heiligen Geist geleitet sein, kann sie Gott zum Vater haben oder hat sie nicht weit eher dem Teufel zum Vater, den Vater der Lüge, der Verwirrung, der Spaltung, der Zwietracht und des Betrugs? Es dürfte gar offensichtlich auf der Hand liegen, wessen Kindes Geist derjenige der christlichen Kirche ist. Statt dass die Christenheit ein Licht für die Menschheit gewesen wäre, hat sie entschieden, abschreckendes Beispiel zu sein, nicht nur durch alternative Wahrheiten, sondern auch noch durch reichlich mieses Benehmen in Form von Sünden und Verbrechen jeglicher Art.
Warum genau kam das so? Es wurde schon angedeutet, der Mensch interessiert sich grossmehrheitlich nicht für die Wahrheit, sondern legt sich seine „Wahrheiten“ selbst zurecht, um weiterhin seinen Sünden und Egoismen dienen zu können. Das ist der Glaube unter den Gläubigen also wert: Nicht selten sozusagen fast gar nichts! Dieser Glaube der Gläubigen ist zumeist nur Illusion, Verwirrung oder gar gross angelegter Betrug, wahrscheinlich sogar oftmals wider besseres Wissen. Und damit diese Gläubigen, hier im Speziellen die Christen, vermeintlich guten Gewissen damit durchkommen können, preisen sie stetig die überschwängliche Gnade Christi, welche so gerne vergibt. Diese Gnade brauchen wir tatsächlich, letzten Endes alle, sogar die echten Wahrheitssucher, denn auch diese sind nicht perfekt, aber es kann nicht angehen, den Willen Gottes und seine Gebote mit Füssen zu treten, nur um der billigen, eigenen Egoismen Willen. Wir werden alle dereinst vor den Richtestuhl Christi treten (2. Korinther 5.10) und der Weise unter den Narren, und solche sind wir aufgrund unseres äusserst beschränkten Wissens alle immer wieder mal, wird diese Drohung ernst nehmen und aufrichtig nach der Wahrheit zu forschen beginnen, um dereinst vor dem Richterstuhl Christi wenigstens noch einigermassen aufrecht hinstehen zu können.
Der gar schrecklich getadelte Christ wird nun behaupten, so schlimm könnte es nicht stehen um die Christenheit, denn dann wäre diese ja noch fast schlimmer als das Judentum, welches auch weit eher abschreckendes Beispiel war, denn Licht für diese Welt. Nun gut, deren Treiben wurde von den alten Propheten durchaus auch wüst getadelt und wie wäre es, wenn man deren Worte für einmal auch den Christen als Betroffenen zuführen täte? Sind unsere christlichen Gottesdienste aus Sicht des allmächtig Waltenden wirklich besser als es deren Gottesdienste waren? Ist das Gebaren der Christenheit wirklich edler als jenes des Judentums? Der Wahrheitssucher wird, da ist sich der Autor dieser Zeilen sicher, zu einem anderen Schluss kommen. So hat Jesaja dereinst das Volk Gottes, die Gläubigen des ersten Bundes, hart getadelt und seine Worte kann man gerne eins zu eins auf die Christen, auf das Volk des zweiten Bundes übertragen:
Klage über das abtrünnige Volk
„Dies ist die Offenbarung, die Jesaja, der Sohn des Amoz, über Juda und Jerusalem geschaut hat in den Tagen Ussijas, Jotams, Ahas’ und Hiskias, der Könige von Juda: Hört, ihr Himmel, und horche auf, o Erde; denn der HERR hat gesprochen: Ich habe Kinder grossgezogen und emporgebracht, sie aber sind von mir abgefallen. Ein Ochse kennt seinen Besitzer, und ein Esel die Krippe seines Herrn, aber Israel hat keine Erkenntnis; mein Volk hat keine Einsicht. Wehe der sündigen Nation, dem schuldbeladenen Volk! Same der Übeltäter, verderbte Kinder! Sie haben den HERRN verlassen, haben den Heiligen Israels gelästert, haben sich abgewandt. Wohin soll man euch noch schlagen, da ihr doch den Abfall nur noch weiter treibt? Das ganze Haupt ist krank, und das ganze Herz ist wund. Von der Fusssohle bis zum Scheitel ist nichts Unversehrtes an ihm, sondern klaffende Wunden und Striemen und frische Verletzungen, die nicht ausgedrückt, noch verbunden, noch mit Öl gelindert sind. Euer Land ist verwüstet, eure Städte sind mit Feuer verbrannt; Fremde fressen euer Land vor euren Augen, und es ist verwüstet, wie von Fremden verheert. Und die Tochter Zion ist übriggeblieben wie eine Hütte im Weinberg, wie ein Wachthäuschen im Gurkenfeld, wie eine belagerte Stadt. Hätte uns der HERR der Heerscharen nicht einen geringen Überrest übriggelassen, so wären wir wie Sodom, gleich wie Gomorra geworden (Jesaja 1.1-9)!“
Der Herr tadelt den falschen Gottesdienst
„Hört das Wort des HERRN, ihr Fürsten von Sodom! Nimm zu Ohren das Gesetz unseres Gottes, du Volk von Gomorra! Was soll mir die Menge eurer Schlachtopfer?, spricht der HERR. Ich bin der Brandopfer von Widdern und des Fettes der Mastkälber überdrüssig, und am Blut der Jungstiere, Lämmer und Böcke habe ich kein Gefallen! Wenn ihr kommt, um vor meinem Angesicht zu erscheinen — wer verlangt dies von euch, dass ihr meine Vorhöfe zertretet? Bringt nicht mehr vergebliches Speisopfer! Räucherwerk ist mir ein Greuel! Neumond und Sabbat, Versammlungen halten: Frevel verbunden mit Festgedränge ertrage ich nicht! Eure Neumonde und Festzeiten hasst meine Seele; sie sind mir zur Last geworden; ich bin es müde, sie zu ertragen. Und wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch, und wenn ihr auch noch so viel betet, höre ich doch nicht, denn eure Hände sind voll Blut! Wascht, reinigt euch! Tut das Böse, das ihr getan habt, von meinen Augen hinweg; hört auf, Böses zu tun! Lernt Gutes tun, trachtet nach dem Recht, bestraft den Gewalttätigen, schafft der Waise Recht, führt den Rechtsstreit für die Witwe! Kommt doch, wir wollen miteinander rechten!, spricht der HERR. Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, sollen sie weiss werden wie der Schnee; wenn sie rot sind wie Karmesin, sollen sie weiss wie Wolle werden. Seid ihr willig und gehorsam, so sollt ihr das Gute des Landes essen; wenn ihr euch aber weigert und widerspenstig seid, so sollt ihr vom Schwert gefressen werden! Ja, der Mund des HERRN hat es gesprochen (Jesaja 1.10-20).“
Gericht und Läuterung für Jerusalem
„Wie ist die treue Stadt zur Hure geworden! Sie war voll Recht; Gerechtigkeit wohnte in ihr, nun aber Mörder! Dein Silber ist zu Schlacken geworden; dein edler Wein ist mit Wasser verfälscht. Deine Fürsten sind Widerspenstige und Diebsgesellen; sie alle lieben Bestechung und jagen nach Geschenken; der Waise schaffen sie nicht Recht, und die Sache der Witwen kommt nicht vor sie. Darum spricht der Herrscher, der HERR der Heerscharen, der Mächtige Israels: Wehe, ich will mir Genugtuung verschaffen von meinen Feinden und mich rächen an meinen Widersachern; und ich will meine Hand gegen dich wenden und deine Schlacken ausschmelzen wie mit Laugensalz und all dein Blei wegschaffen; und ich werde deine Richter wieder machen, wie sie ursprünglich waren, und deine Ratsherren wie am Anfang; danach wird man dich nennen: »Die Stadt der Gerechtigkeit, die treue Stadt«. Zion wird durch Recht erlöst werden, und seine Bekehrten durch Gerechtigkeit; aber der Zusammenbruch trifft die Übertreter und Sünder alle miteinander, und die den HERRN verlassen, kommen um. Denn sie werden zuschanden wegen der Terebinthen, an denen ihr Lust hattet, und ihr sollt schamrot werden wegen der Gärten, die ihr erwählt habt; denn ihr werdet sein wie eine Terebinthe, deren Laub verwelkt ist, und wie ein Garten, der ohne Wasser ist; und der Starke wird zum Werg (anfallende Fasern bei der Hanfbearbeitung => Zunder) und sein Tun zum Funken, und beide werden miteinander brennen, so dass niemand löschen kann (Jesaja 1.21-31).“
Nun gut, es soll hier nicht nur um die Christen und deren offensichtliche geistliche Verwirrung gehen, sondern um den Glauben unter den Gläubigen insgesamt. Wie kann nun der Gläubige, egal an was er auch immer glauben mag, sich einbilden, sein Glaube würde etwas taugen, würde der Wahrheit entsprechen, wenn selbst die Christen, denen der Geist der Wahrheit versprochen wurde, sich schändlich irren und so ziemlich in der Breite den Holzweg beschreiten? Der Gläubige anderer Art, anders geartet als die Christen, mag nun hoffen, der Gott der Christen wäre nur eine Illusion und den Heiligen Geist gäbe es gar nicht und daher läge es ja auf der Hand, dass die Christen alle nur geistig Verwirrte sein könnten, doch wehe ihm, wenn das Problem bezüglich der Verwirrtheit der Christenheit bei den Menschen und nicht bei Gott oder dessen Inexistenz liegt. Der Wahrheitssucher muss die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass es wider jede Wahrscheinlichkeit, wenn man das hochgradig unvollkommene Werk der Christenheit anschaut, eben doch sein könnte, dass es den Gott der Bibel gibt und dann wäre er gut beraten, sich mit diesem Gott zu befassen. Möge er daraus ein Leben entwickeln, welches Gott weit mehr Ehre bereitet, als es bei den meisten bisherigen Christen der Fall war. Und falls er wider Erwarten nach dem Sprechen des Eingangs formulierten Gebetes die Wahrheit woanders finden sollte als im Buch der hier so schrecklich getadelten Christenheit, so rechne er damit, dass der Autor dieser Zeilen dereinst auch dahinterkommen wird und sie sich in derselben Ewigkeit oder in demselben Paradies antreffen werden.
Eins sei hier bezüglich der Wahrheitssuche noch angemerkt: Das irdische Leben kann man reichlich kurz nennen und die allenfalls danach kommende Ewigkeit reichlich lang und daher wäre es von höchster Wichtigkeit, für diese Ewigkeit richtig eingespurt zu haben, denn wehe dem Menschen der dort sich in der Hölle antreffen wird statt im Himmel. So gesehen müsste man fast sagen, der transzendente Gläubige, der mit dem Glauben an das Übersinnlich, an das Jenseitige ist der Grösste unter den Narren, wenn er nicht absolut radikal, äusserts gründlich also, nach der Wahrheit forscht, denn seine Ignoranz bezüglich der Wahrheit wird ihn womöglich das ewige Leben im Paradies kosten. Weit weniger ernst muss die Wahrheitssuche nehmen, sollte er denn recht haben mit seiner Anschauung, wer sich weigert an ein Leben nach dem Tod zu glauben, denn sollte seine von ihm gewählte irdische Ideologie für seinen Wandel auf Erden Mist gewesen sein, so tut ihm das nach dem Tod eine ganze Ewigkeit lang kein bisschen weh. Ganz anders sieht das beim gestrauchelten transzendenten Gläubigen aus, sollte er sich geirrt haben, denn in der Hölle soll herrschen Heulen und Zähneknirschen (Matthäus 13.41-42 / Lukas 13.28) und dementsprechend wird er sich eine ganze Ewigkeit lang zutiefst grämen können, ob seines schändlichen Irrtums bezüglich seines Glaubens während seines kurzen irdischen Wandels. Und nicht nur die Bibel hat solch wüste Drohungen bezüglich des Lebens nach dem Tod anzubieten, man findet diese auch im Koran oder in anderer Form in anderen Religionen. Echt übel dran also, wer während seinem irdischen Leben für die Ewigkeit falsch eingespurt hat, denn er wird sich während einer sehr langen Zeit darüber ärgern können.
An die Adresse der Christenheit wäre hier noch der Aufruf zur konsequenten Busse und Umkehr gerichtet. Möge für uns Christen eine bessere Zeit kommen, wo wir als Einheit mit übereinstimmenden Antworten zu jeder Sachfrage des Lebens als glaubwürdige Zeugen für den Gott der Bibel vor der Menschheit stehen und ein Licht für diese sein werden, so wie es sich Jesus vor zweitausend Jahren dereinst einmal gewünscht hatte. Der Realist unter den Erdenbewohner wird freilich befürchten, dies dürfte in der Breite wohl kaum geschehen vor der Wiederkunft Christi und von da an werden ohnehin grundsätzlich neue Rahmenbedingungen herrschen. Aber vielleicht darf man ja auch als Realist mal ein bisschen träumen und auf ein höchst unwahrscheinliches Wunder hoffen. Gelegentlich gab es im Volk Israel einen Reformer (König oder Priester), welcher das Volk zumindest kurzfristig zur Busse führte und für geistlich bessere Verhältnisse sorgte. Gerne dürfte auch bei der Christenheit etwas in dieser Art geschehen und zwar noch bevor Christus diese Welt erneut betreten wird. Am Ende der gegenwärtigen Zeit kurz vor Christi Wiederkunft wird der Satan mit seiner boshaften Herrschaft zur Höchstform auflaufen und wie wäre es, wenn es die Christenheit im positiven, biblischen Sinne ebenso täte? Es sei uns Christen diese Höchstform gewünscht, damit wir wenigstens gegen Ende der Zeit des Teufels noch ein Licht für diese Welt sein werden.
>
Bibelstellen nach Schlachter, neue revidierte Fassung 2000, wo nicht anders vermerkt.
Ralph Pfister - 14. Oktober 2023
>
>
Bibelverse
Passend zum Weltbild dieser Arche
„Bis ich komme, halte an mit Vorlesen, mit Ermahnen, mit Lehren.“
1.Timotheus 4.13
„Denn wenn ich euch auch durch den Brief traurig gemacht habe, so bereue ich es nicht; denn das Gott gemässe Trauern bewirkt eine Busse zum Heil, die man nie zu bereuen hat, das Trauern der Welt aber bewirkt den Tod.“
2.Korinther 7.8 & 10
„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“
Johannes 1.14
„Da sprach Jesus zu den Juden, die an ihn gläubig geworden waren: Wenn ihr in meinem Worte bleibet, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!“
Johannes 8.31 & 32
„Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht von sich selbst reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.“
Johannes 16.13
Die Bibel
Das hohepriesterliche Gebet
„Dies redete Jesus und hob seine Augen zum Himmel empor und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit auch dein Sohn dich verherrliche — gleichwie du ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, damit er allen ewiges Leben gebe, die du ihm gegeben hast. Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Ich habe dich verherrlicht auf Erden; ich habe das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tun soll. Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbar gemacht, die du mir aus der Welt gegeben hast; sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. Nun erkennen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt; denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und haben wahrhaft erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und glauben, dass du mich gesandt hast. Ich bitte für sie; nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, welche du mir gegeben hast, weil sie dein sind. Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verherrlicht. Und ich bin nicht mehr in der Welt; diese aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, gleichwie wir! Als ich bei ihnen in der Welt war, bewahrte ich sie in deinem Namen; die du mir gegeben hast, habe ich behütet, und keiner von ihnen ist verlorengegangen als nur der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt würde. Nun aber komme ich zu dir und rede dies in der Welt, damit sie meine Freude völlig in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hasst sie; denn sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in deiner Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit. Gleichwie du mich in die Welt gesandt hast, so sende auch ich sie in die Welt. Und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in Wahrheit. Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden, auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, auf dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie zu vollendeter Einheit gelangen, und damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, gleichwie du mich liebst. Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt. Gerechter Vater, die Welt erkennt dich nicht; ich aber erkenne dich, und diese erkennen, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen verkündet und werde ihn verkünden, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.“
Johannes 17.1-26
Die Bibel
Die Gnade
„Als aber der HERR sah, daß die Bosheit des Menschen sehr groß war auf der Erde und alles Trachten der Gedanken seines Herzens allezeit nur böse, da reute es den HERRN, daß er den Menschen gemacht hatte auf der Erde, und es betrübte ihn in seinem Herzen. Und der HERR sprach: Ich will den Menschen, den ich erschaffen habe, vom Erdboden vertilgen, vom Menschen an bis zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln des Himmels; denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe! Noah aber fand Gnade in den Augen des HERRN.“
1.Mose 6.5-8
„Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“
Johannes 1.14
„Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“
Johannes 1.16-17
„Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten, so dass sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist.“
Römer 3.23-24
„Aber es verhält sich mit der Gnadengabe nicht wie mit der Übertretung. Denn wenn durch die Übertretung des Einen die Vielen gestorben sind, wieviel mehr ist die Gnade Gottes und das Gnadengeschenk durch den einen Menschen Jesus Christus in überströmendem Maß zu den Vielen gekommen.
Das Gesetz aber ist daneben hereingekommen, damit das Maß der Übertretung voll würde. Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden, damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.“
Römer 5.15 & 20-21
„Die Gnade sei mit allen, die unseren Herrn Jesus Christus lieb haben mit unvergänglicher Liebe! Amen.“
Epheser 6.24
„So lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe!“
Hebräer 4.16
„Darum umgürtet die Lenden eurer Gesinnung, seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch zuteil wird in der Offenbarung Jesu Christi.“
1.Petrus 1.13
Die Schriften auf dieser Arche sollen herausfordern, Dinge aus biblischer Sicht ins rechte Licht rücken, Themen auch von ungewohnter Seite beleuchten und vor allem auch vorbereiten auf schwierige Zeiten. Die fetten Jahre sind vorüber, hört man da und dort gerne einmal sagen. Wir können davon ausgehen, die Zeiten werden früher oder später nicht nur magerer oder mager, sondern gar finster. Und genau darauf sollten wir uns Kraft eines starken Glaubens vorbereiten. Die Schriften dieser Arche...
Bekannt ist uns allen, was man landläufig so unter Liebe versteht oder unter diesem Begriff vereint: Freundschaft, Treue, Grossmut, Grosszügigkeit, Barmherzigkeit, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und vieles mehr. Da mag jedermann so seine eigenen Schwerpunkte und Vorlieben haben, doch einen gewissen Konsens wird man hier schon finden. Schon etwas herausfordernder wird es, wenn man die vertiefende Beschreibung der Liebe gemäss dem ersten Korinther sich zu Gemüte führt: „Die Liebe ist langmütig und ....
Wir dürfen uns gerne einmal fragen, worin geistliche Exzellenz bestehen könnte oder was einen exzellenten Jünger Christi ausmachen würde? Können wir diese Frage an seinem Charakter, seinem Verhalten oder seiner Tätigkeit klären? Vermutlich müssen wir dies alles einschliessen, was diese Betrachtung durchaus zu einer Herausforderung werden lässt. Was wird von Charakter und Verhalten eines exzellenten Jünger Christi erwartet? Möglichst Jesus sollte er gleichen, sein Vorbild sollte er nachahmen. Jesus ist unser ...
Wovon sollten oder dürfen wir als Jünger Christi in Bezug auf den Gehorsam ausgehen? Von der grossen unendlichen Freiheit, dem Atmen des „weggefallenen“ Gesetzes und der Gnade im Neuen Testament oder müssten wir eher die Strenge und die Gesetzlichkeit des Alten Testamentes zur Richtschnur nehmen in Bezug auf die Frage nach dem Gehorsam gegenüber Gott und seinen Regeln? Oder können wir uns einfach ganz nach unserem Geschmack das Beste aus beiden ....
Der erweckte Christ lebt in einer anderen Dimension als der sogenannt normale Christ. Für letzteren ist ersterer zumeist nur ein Verrückter, welcher vermeintlich fernab irdischer Realitäten in einer frommen Wolke schwebt. Doch leider steht es wohl nicht so gut um die geistliche Wahrnehmung des normalen Christen und er dürfte mit seiner Einschätzung womöglich ganz gründlich falsch liegen. Wir wollen im Folgenden dieser Sache auf den Grund gehen und uns fragen, ob die vermeintlich verrückten Erweckten ...
Für einmal wollen wir mit der guten Nachricht beginnen: Eine Zeit des Friedens auf Erden wird in der Bibel mit der Wiederkunft Christi verheissen. Gemäss den biblischen Verheissungen wird Christus dereinst für tausend Jahre ein Friedensreich errichten in welchem die Menschen den Krieg nicht mehr lernen werden. Im Buch Jesaja finden wir die Verheissung vom Frieden und in der Offenbarung eine Angabe zur Dauer des Friedens. Gemäss der biblischen Verheissung sollen dereinst die verstorbenen Märtyrer auferstehen ...