Der zerteilte Leib Christi

Wie stellt sich Christus den Leib Christi vor und wie haben die ersten Apostel ihn gesehen? Als eine Ansammlung von Kirchen oder Gruppierungen, welche sich gegenseitig nicht selten fundamental widersprechen und gar bekämpfen oder als eine Einheit, welche im Gleichschritt mit Christus im Sinne seines Evangeliums marschiert? Wir dürfen getrost von letzterem ausgehen, denn ersteres schwächt den Leib in jedem Falle völlig unnötigerweise. Hat denn schon einmal jemand eine Hand ohne den Rest des Körpers ein Bäumchen ausreissen sehen? Wohl eher nicht und daher stellt sich dem weisen Betrachter die Frage, was ein zerteilter Leib Christi denn ausrichten könnte?

Bild: Am Grab der Einheit der Christenheit

Paulus war der Meinung die einzelnen Glieder des Leibes Christi wären eine Einheit und sie würden einander brauchen. Man sollte bei seinen Ausführungen nicht davon ausgehen, mit den Gliedern wären nur die einzelnen Mitglieder innerhalb einer bestimmten Kirche gemeint, welche zusammenarbeiten sollten, verschiedene Kirchen jedoch könnten sehr wohl ihre ganz eigenen Wege gehen. Man kann es durchaus weise nennen, wenn man bei der Beschreibung des Leibes Christi die gesamte Christenheit im Blick hat und alle zusammen in der Pflicht sieht, gemeinsam am selben Strick zu ziehen. „Denn gleichwie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des einen Leibes aber, obwohl es viele sind, als Leib eins sind, so auch der Christus. Denn wir sind ja alle durch einen Geist in einen Leib hinein getauft worden, ob wir Juden sind oder Griechen, Knechte oder Freie, und wir sind alle getränkt worden zu einem Geist. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele. Wenn der Fuss spräche: Ich bin keine Hand, darum gehöre ich nicht zum Leib! — gehört er deswegen etwa nicht zum Leib? Und wenn das Ohr spräche: Ich bin kein Auge, darum gehöre ich nicht zum Leib! — gehört es deswegen etwa nicht zum Leib? Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo bliebe das Gehör? Wenn er ganz Ohr wäre, wo bliebe der Geruchssinn? Nun aber hat Gott die Glieder, jedes einzelne von ihnen, so im Leib eingefügt, wie er gewollt hat. Wenn aber alles ein Glied wäre, wo bliebe der Leib? Nun aber gibt es zwar viele Glieder, doch nur einen Leib. Und das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht!, oder das Haupt zu den Füssen: Ich brauche euch nicht! Vielmehr sind gerade die scheinbar schwächeren Glieder des Leibes notwendig, und die Glieder am Leib, die wir für weniger ehrbar halten, umgeben wir mit desto grösserer Ehre, und unsere weniger anständigen erhalten umso grössere Anständigkeit; denn unsere anständigen brauchen es nicht. Gott aber hat den Leib so zusammengefügt, dass er dem geringeren Glied umso grössere Ehre gab, damit es keinen Zwiespalt im Leib gebe, sondern die Glieder gleichermassen füreinander sorgen. Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber seid der Leib des Christus, und jeder ist ein Glied daran nach seinem Teil (1. Korinther 12.12-27).“ So sollte es stehen um den Leib Christi, so war es einmal gedacht. Und was haben wir in zweitausend Jahren aus diesem Leib und der damals gewünschten Einheit gemacht? Kann man die Christenheit heute noch als einen Leib mit vielen Gliedern sehen?

Es soll inzwischen nicht mehr nur einige hundert verschiedene christliche Kirchen geben, sondern sogar tausende. Das wäre vermutlich gar nicht so dramatisch, wenn sie alle denselben Christus hätten und am selben Strang ziehen täten. Doch weit gefehlt, sie haben bei weitem nicht alle denselben Christus und schon gar nicht ziehen sie am selben Strang. Woran erkennt man, dass sie teils nicht einmal denselben Herrn haben? Daran, dass einige dieser christlichen Gemeinschaften sogar ernsthaft glauben, man würde das Paradies nur erlangen, wenn man einzig und allein zu ihrer Gemeinschaft gehörte. Es gibt durchaus christliche Kirchen, welche zumindest innerhalb ihrer Mauern predigen ausserhalb ihrer eigenen Mauern gäbe es kein Heil. Nach aussen hin geben sie sich natürlich gerne kulanter, weil das in der gegenwärtigen Zeit besser ankommt.

Die grösste dieser „Ausschlusskirchen“, mit einem anderen Christus, als ihn alle anderen zu haben scheinen, finden wir mit der katholischen Kirche. Gemäss einem Dogma, stammend aus der Zeit der allgemeinen Kirchenversammlung zu Florenz (1438-1445), findet sich kein Heil ausserhalb der katholischen Kirche. Damals hat man es folgendermassen ausformuliert: „Die heilige römische Kirche, durch das Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet, glaubt fest, bekennt und verkündet, dass niemand ausserhalb der katholischen Kirche — weder Heide noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter — des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr anschliesst. So viel bedeutet die Einheit des Leibes der Kirche, dass die kirchlichen Sakramente nur denen zum Heil gereichen, die in ihr bleiben, und dass nur ihnen Fasten, Almosen, andere fromme Werke und der Kriegsdienst des Christenlebens den ewigen Lohn erwirbt. Mag einer noch so viele Almosen geben, ja selbst sein Blut für den Namen Christi vergiessen, so kann er doch nicht gerettet werden, wenn er nicht im Schoss und in der Einheit der katholischen Kirche bleibt (Quelle: Wikipedia).“ Fairerweise müssen wir hier zugeben, dass die katholische Kirche hunderte Jahre später im zweiten vatikanischen Konzil von 1962 bis 1965 ihren Absolutheitsanspruch nach Leseart der etwas weltoffeneren Katholiken im Dokument „Dignitatis humanae“ fallen gelassen hat, ob aus Überzeugung oder nur dem Zeitgeist dienend sei hier offengelassen. Man sollte hier jedoch erwähnen, dass das genannte Dokument eine Erklärung zur Religionsfreiheit ist und dem Menschen nur das Recht auf religiöse Freiheit zuspricht und ziemlich offenlässt, durch welche Kirche man in den Himmel gelangen könnte. Wenn man sich das Dokument genau anschaut, fragt man sich sogar durchaus ernsthaft, wo denn darin der Anspruch die alleinseligmachende Kirche zu sein widerrufen wäre? Man erliegt fast eher der Versuchung, dem Dokument zu unterstellen, diesen Anspruch im Vorwort weiterhin ein wenig zu unterstreichen (eine Frage der Leseart), zum Beispiel dort wo es heisst: „Diese einzige wahre Religion (Anmerkung Autor: die vom erlösenden Christus), so glauben wir, ist verwirklicht in der katholischen, apostolischen Kirche, die von Jesus dem Herrn den Auftrag erhalten hat, sie unter allen Menschen zu verbreiten.“ Dass diese Religion oder dieser Glaube auch vortrefflich in anderen Kirchen zu finden wäre, wird im genannten Dokument selbstredend mit keinem Wort erwähnt. Von einem offiziellen Widerruf des Dogmas aus den Jahren 1438-1445 kann also nicht wirklich die Rede sein, man hat vielmehr einfach nur das alleinige Auffinden des Heils in der katholischen Kirche nicht mehr im Klartext zum Ausdruck gebracht. Man möge also generell besser daran zweifeln, wenn eine alleinseligmachende Kirche um des religiösen Friedens willen eines Tages durchblicken lässt, sie würde nun nicht mehr so denken wie in alten Zeiten.

Wir kommen nicht umhin anzumerken, dass es sich bei dieser, allenfalls auch nur ehemaligen, „Ausschlusskirche“ nicht nur um eine kleine und bedeutungslose Splittergruppe handelt, welche keinerlei Gewicht hätte, sondern um die grösste aller christlichen Gemeinschaften mit über einer Milliarde Mitgliedern. Der Zyniker würde nun wohl sagen, das wäre doch eine wahrlich gute Nachricht, denn so würde dereinst doch immerhin die Mehrheit der Christenheit im Paradiese sitzen, wenn auch alle Protestanten und Freikirchler zur Hölle fahren müssten. Der Bibelkenner muss hier jedoch anmerken, dass Christus selbst nie davon gesprochen hat, man würde in sein Paradies gelangen, wenn man zu einer ganz bestimmten Kirche gehören würde, sondern man fände den Weg dorthin, wenn man ihn als Erlöser von unseren Sünden annehmen täte. Konkret hat er es so formuliert: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich (Johannes 14.6)!“ Mit keinem Wort hätte Jesus das Seelenheil jemals an der Mitgliedschaft in einer bestimmten Kirche festgemacht, denn nicht die Kirche erlöst, sondern sein Kreuzestod. Und da muss man sich als Bibelkenner doch die Frage stellen, wie eine grosse Kirche über mehr als fünfhundert Jahre hinweg seit dieser ominösen Kirchenversammlung zu Florenz nicht dahinterkommen konnte, mit ihrer These das Seelenheil allein gepachtet zu haben, völlig falsch zu liegen?

Neben der Tatsache, dass Christus andere Kriterien zur Erlösung nennt als die katholische Kirche, kommt erschwerend bezüglich der Glaubwürdigkeit zur These die alleinseligmachende Kirche zu sein hinzu, dass es noch weitere christliche Gemeinschaften gibt, welche dieselbe Behauptung aufstellen. Auch die Zeugen Jehovas, die Neuapostolen oder die Mormonen halten sich beispielsweise für Gemeinschaften, welche allein den Zugang zum Paradies erhalten werden. Es mag zwar sein, dass nicht alle Mitglieder dieser genannten Kirchen diesen Glauben arg streng vertreten, doch die Kirchenführung zumindest hält ihre Kirche für den jeweils exklusiven Club mit alleinigem Zugang zum ewigen Leben. Und sollte deren Kirchenführung allenfalls diesen Glauben offiziell je widerrufen haben, dann sicherlich genauso wie in der eben betrachteten Art und Weise bei den Katholiken. Vielleicht auch lassen einzelne Vertreter der Führung solcher Ausschlusskirchen dünn durchblicken, sie wären sich nicht so sicher, dereinst als einzige im Paradies zu sitzen oder geben sich öffentlich gar recht „ökumenisch“, dies jedoch nur um medial versöhnlich zu wirken und keinesfalls weil sie ihre Ausschliesslichkeit bezüglich der Heilsgewissheit im Kern wirklich anzweifeln täten. Nebst den Wenigen hier genannten Kirchen gibt es natürlich noch eine ganze Anzahl andere unter den Alleinseligmachenden, vielfach jedoch nur sehr kleine Splittergruppen ohne nennenswertes Gewicht. Da nun eine ganze Anzahl Kirchen für sich in Anspruch nehmen alleinseligmachend zu sein, stellt sich dem objektiven oder distanzierten Betrachter die Frage, welche nun allenfalls tatsächlich den Königsweg ins Paradies weisen würde? Im Höchstfall könnte eine dieser Kirchen richtig liegen und im schlimmsten Fall irren sie sich alle. Von letzterem muss man ausgehen, wenn man die Bibel gründlich studiert und die persönlichen Aussagen von Jesus Christus sich zu Gemüte führt.

Wir haben hiermit das wohl grösste Problem des zerteilten Leibes Christi entdeckt und umschrieben. Wie um alles in der Welt kann eine Glaubensrichtung glaubwürdig sein, wenn diverse Protagonisten dieses Glaubens ihre Kirche für alleinseligmachend halten und damit klar deklarieren, dass sie einen anderen Christus haben als alle anderen? Einen anderen Christus als die Anderen haben sie, weil ja offensichtlich nur ihr eigener Christus erlösen kann und dieser Christus für das Heil andere Rahmenbedingungen skizziert hat, als er sie in anderen Kirchen propagiert. Derjenige der anderen Gemeinschaften taugt offenbar nicht als Wegbreiter ins Paradies oder er hat zumindest zu wenig Gewicht, weil ihm das ergänzende Heil der alleinig selig machenden Kirche fehlt. Wie wirkt wohl solches Gebaren auf Ungläubige, auf die Heiden, wie die Bibel sie nennt? Müssen diese nicht alle sagen: „Werdet euch zuerst einmal einig in Bezug auf euren Christus und kommt zu einer Antwort bezüglich der Frage, wer der nun wirklich ist und was es wirklich braucht, um gerettet zu werden.“ Das Treiben der alleinseligmachenden Kirchen schwächt ganz offensichtlich massiv die Glaubwürdigkeit des Leibes Christi. Der Bibelkenner hat zwar eine Antwort auf die eben formulierte Kritik der Heiden, doch wird dies den Schaden heilen? Er wird zu den Heiden sagen, sucht den Christus, Jesus den Erlöser, in der Bibel und nicht in der Kirche, so werdet ihr ihn finden. Leider jedoch halten sich Menschen nicht selten lieber an sichtbare Institutionen als an ein Buch mit einem vermeintlich „unsichtbaren“ Gott. Und von daher würde die Kirche in der Pflicht stehen als Einheit aufzutreten, um als Anlaufstelle für Ungläubige ein glaubwürdiges Zeugnis abzugeben. Und darum hat Jesus gegen Ende seines Laufes auf Erden folgendermassen für seine Jünger gebetet: „Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden, auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, auf dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie zu vollendeter Einheit gelangen, und damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, gleichwie du mich liebst (Johannes 17.20-23).“ Hat Jesus uns Christen gebeten, unzählige Splittergruppen zu bilden, so dass seine Kirche kaum noch als solche zu erkennen ist? Wir müssten es besser wissen, wenn wir eben zitiertes Gebet anschauen.

Und dass einige Gruppierungen sich für alleinseligmachend halten beschreibt noch nicht ansatzweise das ganze Ausmass der Misere. Diese Eigenheit gewisser Kirchen zerstört zwar offenkundig die von Christus gewünschte Einheit, doch wie steht es um die Stärke des Restes der Christenheit? Können hunderte oder tausende von Kirchen, welche zwar nicht behaupten alleinseligmachend zu sein und daher wohl an denselben Christus glauben, aber kaum oder nur minimal zusammenarbeiten einen starken Leib bilden? Wie eingangs schon gefragt: Kann eine Hand ohne den Rest des Leibes ein Bäumchen ausreissen? Können tausend Splittergruppen genauso mächtig auftreten wie eine einzige durch Christus verbundene Truppe von der gleichen Gesamtzahl wie die tausend Splitter? Wir wissen es wohl zu gut …… Splittergruppen welche kaum zusammenarbeiten, kann man nur schwach und reichlich unnütz nennen. Und man vergegenwärtige sich hierbei, dass selbst Christen aus den nicht alleinseligmachenden Denominationen sich kaum vorstellen können, eine andere Kirche als die Eigene zu besuchen. Sie halten die feinen Unterschiede der verschiedenen Kirchen bei aller Gemeinsamkeit dennoch für gross genug, um es mit den anderen nicht so gut zu können. Und daher verzichten sie nicht selten sehr gerne auf eine Zusammenarbeit mit anderen Kirchen, weil sie sich selbst eben doch für ein bisschen heiliger halten als die Anderen. Schon die feinsten Differenzen reichen vielen Christen, sich von anderen abzusondern. Und was hatte der Paulus dazu zu sagen, wenige Jahrzehnten nach Christi Himmelfahrt? „Ich ermahne euch aber, ihr Brüder, Kraft des Namens unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle einmütig seid in eurem Reden und keine Spaltungen unter euch zulasst, sondern vollkommen zusammengefügt seid in derselben Gesinnung und in derselben Überzeugung. Mir ist nämlich, meine Brüder, durch die Leute der Chloe bekanntgeworden, dass Streitigkeiten unter euch sind. Ich rede aber davon, dass jeder von euch sagt: Ich gehöre zu Paulus! — Ich aber zu Apollos! — Ich aber zu Kephas! — Ich aber zu Christus! Ist Christus denn zerteilt? Ist etwa Paulus für euch gekreuzigt worden, oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft (1. Korinther 1.10-13)?“ Lange dauerte es offenbar nach der Himmelfahrt Christi nicht, bis Christen der Meinung waren sie müssten sich aufgrund besonderer Heiligkeit von anderen absondern. Doch sowohl Christus selbst, wie auch der Paulus waren damals schon dezidiert gegen solche Absonderungen. Und da stellt sich doch die Frage, wie es die Christenheit in den Jahrhunderten und Jahrtausenden danach immer noch schlimmer treiben konnte, statt sich zu verbessern? Damals zur Zeit des Paulus ging es um die Verhinderung einer Handvoll Splittergruppen, was auf Dauer ganz offensichtlich nicht gelang und heute sprechen wir von hunderten oder gar tausenden von abgesplitterten Kirchen und Denominationen, welche zumeist nicht viel zu tun haben wollen mit den Anderen und alle am liebsten ihr eigenes, besonders heiliges Süppchen kochen. Wozu soll eine solche Christenheit noch taugen, müssen sich die ernsthaften Gläubigen doch fragen? Wo bleibt da die Glaubwürdigkeit und die Vollmacht?

Und was sind die Folgen dieser Fragmentierung? Wir haben es schon angedeutet, der Ungläubige scheitert allein schon daran, wenn ihn der Glaube denn überhaupt jemals sollte zu interessieren beginnen, sich sein für ihn passendes besonders heiliges Trüppchen auszusuchen, denn die schiere Auswahl erschlägt ihn. Von daher raten wir hier, er möge zuerst einmal vorzugsweise allein die Bibel gründlich studieren und zwar am besten gleich ohne Beeinflussung durch eines dieser heiligen Trüppchen, denn so kann er deren Irrtümer von vornherein aussortieren. Der Heilige Geist führt in alle Wahrheit und nicht die Kirche und von daher muss er sich nicht wirklich sorgen, wenn er die Kirche zuerst einmal links liegen lässt. So hat es Johannes dereinst festgehalten: „Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, so wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen (Johannes 16.13).“ Und wenn er, der am Evangelium Interessierte, dann die Bibel dereinst einigermassen verstanden hat, kann er sich ja das eine oder andere Trüppchen mal anschauen und sich die Frage stellen, wie nahe diese am Evangelium liegen und sich einem der besonders Feinen anschliessen, nicht ohne stetig darauf hinzuweisen, dass es ihn schon mächtig stören täte, im Leib Christi keine Einheit zu finden.

Der Mangel an Glaubwürdigkeit einer zersplitterten Kirchenlandschaft ist die eine Seite einer verderblichen Medaille. Die andere Seite zeigt sich in der Schwäche ihres Auftritts in der gegenwärtigen Welt. Man stelle sich doch einmal die Frage, wie viel Kampfeskraft eine zersplitterte Kirchenlandschaft aufbringen kann im Kampf gegen die Unmoral dieser Welt, dieser unserer Zeit? Wie kam es, dass die Schweiz in einigen Jahrzehnten mehr oder weniger ihr ganzes christliches Erbe verschleudert hat? Würde man sich ins Jahr 1950 zurückversetzen, man sähe eine Gesellschaft, welche sich in erheblichem Masse an biblischen Traditionen und Werten orientiert: Scheidung war damals tabu, wilde Ehe verboten, Abtreibung war Mord, Mann war noch Mann und Frau noch Frau, Homosexualität war Sünde und nicht alternatives Lebensmodell, der damalige Ehrenmann bezahlte wie selbstverständlich seine Rechnungen, die fernöstlichen Götzen ruhten gut und gerne in Fernost und nicht in den schweizerischen Wohnstuben oder gar Pfarrhäusern und so weiter und so fort. Was ist siebzig Jahre später von diesen Werten geblieben? Nicht mehr viel, wäre man versucht zu sagen und wir betonen immer wieder gerne, dies wird der Nation zum Schaden und nicht zum Segen gereichen. Nun denn, hätte es so weit kommen können, wenn Christen zusammengestanden wären und eine breite Front gegen den moralischen Zerfall der Gesellschaft gebildet hätten? Vermutlich eher nicht, muss man annehmen. Der Kleingeist von uns Christen hat ganz erheblich zum moralischen Zerfall der westlichen Welt beigetragen. Mit anderen Worten, wir waren über Jahrhunderte hinweg weit eher die Handlanger Satans als die Diener Christi und haben ersterem in die Hände gespielt. Und dafür werden wir alle, Gläubige und Ungläubige, noch einen sehr hohen Preis bezahlen. Der Allmächtige, der Gott der Bibel, schaut dem gottlosen Treiben einer Welt nicht ewig zu und er wird sie zu gegebener Zeit richten. Nicht weil er gerne straft, sondern weil er dem Treiben der Menschen Einhalt gebieten muss, um den Schaden in Grenzen zu halten. Man darf gerne im Gericht Gottes eine rettende Tat sehen, wenn es auch womöglich heftig schmerzen wird. Verhindern könnte man den Schmerz zwar, indem man zu den ehemals christlichen Wurzeln der Nation zurückkehren würde, doch dies kann nicht geschehen durch eine zersplitterte und schwache Christenheit. Wenn der Schmerz also dereinst unerträglich werden sollte, so wären wir Christen gut beraten, wenn wir nicht mit dem Finger auf die „bösen Gottlosen“ zeigen täten, sondern uns selbst im Spiegel anschauen würden.

Und was müsste geschehen damit wir uns nicht voller Gram dereinst im Spiegel anschauen müssen, wenn wir nach den Schuldigen für den Schmerz suchen? Es liegt wohl auf der Hand: Wir Christen hätten Busse zu tun für unser Versagen im Dienste unseres Herrn und müssten uns neu an ihm orientieren und konsequent für seine Werte einstehen. Und dazu bräuchte es einen geeinten Leib Christi und nicht eine zersplitterte Kirchenlandschaft. So hat sich der Paulus dies dereinst vorgestellt: „So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und Gäste ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, auferbaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selbst der Eckstein ist, in dem der ganze Bau, zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in dem auch ihr miterbaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geist (Epheser 2.19-22).“ Zu einem einzigen Haus, einem einzigen Tempel hätte der Leib Christi werden sollen und nicht zu einem Dorf vieler Hütten in welchem die Dorfbewohner am liebsten kaum miteinander verkehren.

Es liegt an uns zu einem Tempel Gottes zu werden, zum Segen von uns selbst und zum Segen der Nation. Freilich können wir auch ein Dorf von Hütten oder Gurkenhäuschen bleiben, wenn wir die Konsequenzen nicht fürchten. Wir wissen leider alle nur zu gut, dass die heutige, fragmentierte Christenheit sehr gerne an die alles vergebende Gnade Gottes glaubt und kaum an sein Gericht und daher können wir nicht voller Hoffnung auf eine Verhaltensänderung sein. Doch wer die Bibel gründlich studiert hat, glaubt auch zu neutestamentlichen Zeiten noch an einen gerechten und richtenden Gott, denn er hat unter anderem auch die Offenbarung studiert und er kennt die Aussage des Paulus: „Irrt euch nicht: Gott lässt sich nicht spotten! Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten (Galater 6.7).“ Notabene sei hier angemerkt, dass wir in unserer Gesellschaft, der mit der äusserst dünnen Moral, längstens am Ernten sind. Wir leben in einer reichlich orientierungslosen Gesellschaft der Vielzahl der Religionen und Philosophien, einer Gesellschaft von zerrütteten Beziehungen, von grosser Verlogenheit, von dünner Zahlungsmoral, von höchstem Egoismus, von recht geringer Nächstenliebe ……. Wir brechen hier die Aufzählung wohl besser ab, denn besser wird sie nicht. Dem aufmerksamen Beobachter dieser Welt dürfte auf jeden Fall schnell einmal einleuchten, dass sich in unserem eigenen Interesse so einiges ändern müsste, denn der Mangel an Liebe zu Gott und seiner Schöpfung schaufelt uns letzten Endes gar offensichtlich das Grab. Wer getrieben von schonungslosen Egoismen, von Gier und Rücksichtslosigkeit seine eigene Lebensgrundlage zerstört, kann wohl nicht glauben, zu einer gesegneten und zukunftsträchtigen Art zu gehören.

Nun, wir wollen nicht so naiv sein zu glauben, diese Menschheit könnte ohne göttliche Hilfe die Kurve noch kriegen und rechnen auch gar nicht ernsthaft mit einer Kurskorrektur von Seiten der Menschheit. So wie bisher jede Hochkultur unterging, wird auch die unsere untergehen. Es wird sich hierbei nur die Frage stellen, wie schmerzhaft dieser Untergang für einzelne Nation werden wird? Wollen wir den maximalen Schmerz und den höchstmöglichen Schaden, so müssen wir nur den bisherigen Kurs halten und den Gott der Bibel, den Schöpfer des Universums mit all seinen Werten noch vollends zum Teufel schicken. Der Gott der Bibel wird sich dann wohl, ganz gemäss unserem Wunsch, vornehm zurückziehen und den Teufel sein Werk tun lassen. Oder aber wir streben nach dem geringstmöglichen Schmerz und bitten den Gott der Bibel, welchen wir ja schon längst zu grossen Teilen aus dem Land gejagt haben, zurückzukommen und im Land für Ordnung zu sorgen. Freilich wird uns dies einiges kosten, denn Umkehr fordert ihren Tribut, sprich klare Entscheidungen zu Gunsten der Werte Gottes werden zu fällen sein und unser Verhalten muss sich entsprechend ändern. Für uns Christen würde dies zuallererst einmal bedeuten, unsere Grabenkämpfe und unsere Nabelschau zu beenden und endlich gemeinsam und unüberhörbar für die Werte Gottes einzustehen. Was die anderen, die Ungläubigen, daraus machen, würden wir dann ja sehen.

Bibelstellen nach Schlachter, neue revidierte Fassung 2000, wo nicht anders vermerkt.

Ralph Pfister - 15. Oktober 2021

Weisheiten & Bibelverse
Passend zum Weltbild dieser Arche

„Beschäftige Dich mit Deinen Problemen, solange sie noch klein sind!“
Verfasser unbekannt

„Wenn man das Ziel nicht kennt, ist kein Weg der Richtige.“
Verfasser unbekannt

„Aber ich habe wider dich, daß du deine erste Liebe verlassen hast. Bedenke nun, wovon du abgefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Sonst komme ich über dich und werde deinen Leuchter von seiner Stelle stoßen, wenn du nicht Buße tust!“
Jesus – Offenbarung 2.4 & 5

„Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt der, welcher die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat: Ich weiß deine Werke: du hast den Namen, daß du lebest, und bist tot. Werde wach und stärke das übrige, was sterben will; denn ich habe deine Werke nicht vollendet erfunden vor meinem Gott.“
Jesus – Offenbarung 3.1 & 2

„Ich weiß deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du kalt oder warm wärest! So aber, weil du lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Denn du sprichst: Ich bin reich und habe Überfluß und bedarf nichts! und weißt nicht, daß du elend und erbärmlich bist, arm, blind und bloß!“
Jesus – Offenbarung 3.15-17

Die Bibel  
Die Gnade

„Als aber der HERR sah, daß die Bosheit des Menschen sehr groß war auf der Erde und alles Trachten der Gedanken seines Herzens allezeit nur böse, da reute es den HERRN, daß er den Menschen gemacht hatte auf der Erde, und es betrübte ihn in seinem Herzen. Und der HERR sprach: Ich will den Menschen, den ich erschaffen habe, vom Erdboden vertilgen, vom Menschen an bis zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln des Himmels; denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe! Noah aber fand Gnade in den Augen des HERRN.“
1.Mose 6.5-8

„Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“
Johannes 1.14

„Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“
Johannes 1.16-17

„Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten, so dass sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist.“
Römer 3.23-24

„Aber es verhält sich mit der Gnadengabe nicht wie mit der Übertretung. Denn wenn durch die Übertretung des Einen die Vielen gestorben sind, wieviel mehr ist die Gnade Gottes und das Gnadengeschenk durch den einen Menschen Jesus Christus in überströmendem Maß zu den Vielen gekommen.
Das Gesetz aber ist daneben hereingekommen, damit das Maß der Übertretung voll würde. Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden, damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.“
Römer 5.15 & 20-21

„Die Gnade sei mit allen, die unseren Herrn Jesus Christus lieb haben mit unvergänglicher Liebe! Amen.“
Epheser 6.24

„So lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe!“
Hebräer 4.16

„Darum umgürtet die Lenden eurer Gesinnung, seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch zuteil wird in der Offenbarung Jesu Christi.“
1.Petrus 1.13

Die Bibel  
Das hohepriesterliche Gebet

„Dies redete Jesus und hob seine Augen zum Himmel empor und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit auch dein Sohn dich verherrliche — gleichwie du ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, damit er allen ewiges Leben gebe, die du ihm gegeben hast. Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Ich habe dich verherrlicht auf Erden; ich habe das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tun soll. Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbar gemacht, die du mir aus der Welt gegeben hast; sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. Nun erkennen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt; denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und haben wahrhaft erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und glauben, dass du mich gesandt hast. Ich bitte für sie; nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, welche du mir gegeben hast, weil sie dein sind. Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verherrlicht. Und ich bin nicht mehr in der Welt; diese aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, gleichwie wir! Als ich bei ihnen in der Welt war, bewahrte ich sie in deinem Namen; die du mir gegeben hast, habe ich behütet, und keiner von ihnen ist verlorengegangen als nur der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt würde. Nun aber komme ich zu dir und rede dies in der Welt, damit sie meine Freude völlig in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hasst sie; denn sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in deiner Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit. Gleichwie du mich in die Welt gesandt hast, so sende auch ich sie in die Welt. Und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in Wahrheit. Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden, auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, auf dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie zu vollendeter Einheit gelangen, und damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, gleichwie du mich liebst. Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt. Gerechter Vater, die Welt erkennt dich nicht; ich aber erkenne dich, und diese erkennen, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen verkündet und werde ihn verkünden, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.“
Johannes 17.1-26

Die Systemkritik - Eine Auswahl

Die Systemkritik

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Die Irrelevanz der Kirche

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Die Schwäche der Demokratie

So manch einer kennt den geflügelten Spruch: „Von allen schlechten Regierungsformen ist die Demokratie noch die Beste.“ Doch kann man es weise nennen, sich mit der Besten aller schlechten Regierungsformen zufrieden zu geben? Wie wäre es mit einer guten Regierungsform, einer mit Zukunft, mit göttlicher Weisheit und Weitsicht? Schauen wir uns doch einmal die aktuellen Zustände an und fragen uns ganz unaufgeregt, wo diese mutmasslich oder auch ....

Die Erklärung der Schöpfung

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Kapitalismus - Fluch oder Segen

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Der zerteilte Leib Christi

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