Dem besonders aufmerksamen Leser wird nicht entgehen, dass es sich der Autor aufgrund einiger weniger handwerklichen Schwächen erlaubt, dem deutschen Sprachgebrauch in orthographischer Hinsicht da und dort eine eigene Note zu verleihen. Mit den Kommaregeln und der neuen deutschen Rechtschreibung steht er nämlich, trotz gewissen Bemühungen sich zu verbessern, noch immer ganz leicht auf dem Kriegsfuss. Vom Deutschen ß wäre hier anzumerken, hält er als Schweizer nicht so wahnsinnig viel und weil er dieses ohnehin als Anachronismus betrachtet, verzichtet er gar absichtlich und nicht aufgrund der genannten Schwächen auf dieses und erlaubt sich daher, wie in der Schweiz üblich, diesen Anachronismus wegzulassen und in jedem Falle ein ganz gewöhnliches ss zu verwenden. Man mag die gelegentlich unvollkommene Orthographie des Autors bis hin zu den wenigen, trotz gründlichem Korrekturlesen, verbliebenen Tippfehler als künstlerische Freiheit würdigen oder aber die eher niedrige Fehlerquote im Preis des Buches berücksichtigt sehen. Tippfehler welche gar der Verständlichkeit Abbruch tun, falls es denn solche nach dem Korrekturlesen noch geben sollte, darf man gerne als Denksportaufgabe werten und sich herausgefordert fühlen, nach dem tieferen Sinn der Textpassage zu forschen.
Industriel betrachtet können wir bei jedem heute käuflichen Produkt von einem Verbesserungspotential im niedrigen einstelligen Prozentbereich ausgehen, doch das Potential liegt brach, weil der Hersteller den Gewinn der Verbesserung als zu gering einschätzt, um deswegen einen höheren Verkaufspreis in Kauf zu nehmen. Den übersteigerten Professionalismus, in Form eines Hangs zur Fehlerlosigkeit, leisten sich heute nur noch sehr wenige Unternehmen. Die Meisten erlauben es sich viel eher, durchaus der Vernunft dienend, ihre kleinen Konstruktionsfehler industriell akkurat in jedem verkauften Produkt zu vervielfältigen. Warum denn sollte ein Buch höheren Standards genügen als viel teurere, industriell gefertigte Produkte der Gegenwart, müsste sich der geneigte Leser nun fragen? Fordert man nicht geradezu einen unerhörten Perfektionismus, wenn man von einem Buch erwartet, mit null Fehlern zu glänzen?
Ausgehend von den eben angestellten Überlegungen erlaubt sich der Autor, seine leichten Schwächen ebenfalls industriell zu vervielfältigen, denn er vertritt ohnehin die Meinung, es ginge bei seinem Werk schwerpunktmässig um die enthaltene Botschaft, um eine gute Geschichte und nicht um mustergültig perfekte Rechtschreibung. Wer nun rechthaberisch sein will und sein bescheidenes Werk aufgrund der kleineren darin enthaltenen Fehler, als handwerklichen Pfusch verteufeln und entsprechend nicht lesen will, der lasse sich sagen; er wird aufgrund seiner Fixierung auf Äusserlichkeiten einige tiefe Wahrheiten und auch einige unterhaltsame Stunden verpassen.
Wer auf Erden geniesst schon den Status, unfehlbar oder fehlerfrei zu sein? Derjenige möge vortreten und den ersten Stein auf den Autor werfen. Wir leben nun einmal in einer imperfekten Welt und damit sollten oder müssten wir klarkommen. Perfektion gibt es auf Erden nun einmal leider nicht und daher dürfen wir uns alle auf den Himmel freuen, denn dort werden wir diese dereinst finden. Das Ende der Fehler und Schwächen und auch der Schmerzen in einem Reich des Friedens für eine ganze Ewigkeit, so in etwa kann man sich das Paradies vorstellen. Man fühle sich dorthin eingeladen, ein bisschen durch diesen Roman und weit mehr durch die Bibel.
Man möge, bei etwas gutem Willen, die Überlegungen hier durchaus als erste einleitende Gesellschaftskritik verstehen oder auch als geistliches Coaching. Wer sich hierbei schon zum Kapitulieren verleitet fühlt, hat sich fast sicher das falsche Buch ausgesucht und könnte bei weiterführender Lektüre, statt einiger unterhaltsamer Stunden allenfalls einige nervenaufreibende erleben.
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